Gegnercheck: Starke Chancenverwertung, wackelige Defensive

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Gegnercheck: Starke Chancenverwertung, wackelige Defensive

Nach der bitteren Pleite am Samstag steht am Dienstag das Pokalspiel gegen Lautern auf dem Programm. Dass die Begegnung gegen den Zweitligisten kein Selbstläufer wird, zeigt unser Gegnercheck.

Am Dienstagabend (20.45 Uhr, ZDF) steht für den 1. FC Köln das Pokalspiel bei Kaiserslautern auf dem Programm. In dem Traditionsduell sollten die Kölner eigentlich favorisiert sein. Dass das Spiel aber alles andere als leicht wird, zeigt unser Gegnercheck zum 1. FC Kaiserslautern.

Mehr als eine Nullnummer war nicht drin, als der FC vor knapp zehn Jahren das letzte Mal gegen den 1. FC Kaiserslautern spielte. Zwar lieferten sich die Teams eine leidenschaftliche Begegnung mit zahlreichen Chancen, Tore gab es nicht. Schon das Hinspiel in der 2. Bundesliga fiel eher in die Kategorie trostlos, Tore fielen ebenfalls keine, ein Sieger wurde nicht gefunden. Das kann am Dienstagabend schon allein aufgrund des Reglements des DFB-Pokals nicht passieren. Doch auch ohne Elfmeterschießen und Verlängerung dürfen die knapp 50.000 Zuschauer auf dem Betzenberg mit einem wilden Spektakel und vor allem Toren rechnen. Während Lautern in den vergangenen beiden Ligaspielen sechs Tore erzielte, fingen sich die Kölner im gleichen Zeitraum sieben. Erstaunlicherweise fuhr der FC bei dieser Rechnung aber zwei Punkte mehr ein.

Lautern mit vielen Torchancen und Toren

Denn die blanke Statistik zeigt ein wenig das Problem der Überraschungsmannschaft der 2. Bundesliga. Wer sechs Tore gegen die Aufstiegskandidaten aus Hamburg und Düsseldorf erzielt, scheint über eine gute Offensive zu verfügen, der sollte aber doch mehr als nur einen Zähler einheimsen. Tatsächlich hat kein Zweitligist mehr Treffer erzielt als die Pfälzer. Auf 24 Tore kommt Lauten nach dem elften Spieltag in Liga zwei. Allerdings hat der FCK bereits 21 Gegentore kassiert. Mehr wurden nur den Abstiegskandidaten aus Schalke, Braunschweig und Osnabrück eingeschenkt. Im Gegensatz dazu war der FC bis zum Leipzig-Spiel das Team aus der unteren Tabellenhälfte der Bundesliga mit den wenigsten Gegentreffern, der Sturm ist dagegen noch immer nicht mehr als ein laues Lüftchen.

Die Pfälzer verteilen ihre Torschützen auf gleich mehrere Schultern. Der erfolgreichste ist Neuzugang Ragnar Ache mit sechs Toren. Allerdings fällt der Stürmer aufgrund einer Bänderverletzung aus. Ein schwerer Verlust, Achne gab in der 2. Liga die meisten Torschüsse ab und gewann die meisten Kopfballduelle. Dafür meldete sich Terence Boyd ausgerechnet vor dem Köln-Spiel mit einem Treffer zurück. Boyd war in der vergangenen Saison ein Garant für den Klassenerhalt des Aufsteigers, hatte in dieser Spielzeit allerdings seine Anlaufschwierigkeiten. Die Offensive der Lauterer ist extrem variabel, zudem suchen die Pfälzer den schnellen und direkten Torabschluss. Nahezu 200 Torschüsse hat Lautern schon auf dem Konto. Der FCK kommt zu überdurchschnittlich vielen Torchancen, gemessen an dem Ballbesitz. Das liegt auch an dem schnellen Umschaltspiel der Mannschaft von Dirk Schuster. Die meisten Angriffe laufen über die rechte Seite.

FCK ist anfällig in der Defensive

Zu Beginn der Saison hat Schuster noch nach der richtigen Taktik gesucht und einige Varianten ausprobiert. Zuletzt spielte Lautern aber ausschließlich in einer 3-4-1-2-Formation. Eine Schwachstelle der Pfälzer ist definitiv die linke Abwehrseite. Immer wieder rollen gegnerische Angriffe über diese Außenbahn. Das ist auch Schuster nicht verborgen geblieben. Der Trainer kündigte bereits an, daran arbeiten zu wollen. Zudem verlieren die Lauterer verhältnismäßig oft den Ball im Spielaufbau und laden den Gegner ebenfalls zum Umschaltspiel ein. Dort ist die Schuster-Truppe verwundbar. In der Innenverteidigung hat sich Nikola Soldo festgespielt und ist nach anfänglichen Schwierigkeiten ein Leistungsträger in der Abwehrzentrale. „Es war genau der richtige Schritt für ihn, noch einmal erst eine Liga tiefer zu gehen“, sagte Baumgart am Montagmorgen. Ein großes Plus für Lautern ist am Dienstag sicherlich das Stadion. Das Spiel ist restlos ausverkauft. Schuster erklärte am Montag, man hätte noch sehr viel mehr Tickets verkaufen können. Der FC wird sich auf eine besondere Atmosphäre einstellen müssen.

Der Vergleich:

Der Kaderwert spricht deutlich für den FC. Lautern erreicht laut Gool.ai einen Kaderwert von rund 22 Millionen Euro, der FC liegt aktuell bei rund 85 Millionen Euro. Kölns wertvollster Spieler ist Dejan Ljubicic (9.5 Mio). Der wertvollste Spieler des FCK ist tatsächlich Soldo, dessen Wert Gool.ai auf mehr als 2 Millionen Euro berechnet.


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Das Kartenhaus stürzt, wenn die Leistungsträger wackeln

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Das Kartenhaus stürzt, wenn die Leistungsträger wackeln

Nach der bitteren 0:6-Pleite gegen Leipzig fand FC-Trainer Steffen Baumgart überraschend deutliche Worte – auch bei seinen Spielern. Der FC präsentierte sich als fragiles Gebilde, das wie ein Kartenhaus zusammenfiel.

Bei RB kassierte der FC eine bittere Klatsche. Steffen Baumgart betonte, dass auch seine Leistungsträger zu viele Fehler gemacht haben. Doch das war nur ein Teil der Wahrheit für die Pleite des 1. FC Köln: Gründe für das Debakel gegen Leipzig.

Marvin Schwäbe konnte einem am Samstagabend schon ein wenig leid tun. Und das nicht, weil der Kölner Keeper sich beim 0:3 den Ball mit dem Rücken selbst ins Netz legte. Vielmehr, weil der Kölner Keeper der beste Spieler des 1. FC Köln im Duell gegen RB Leipzig war und doch ein halbes Dutzend Mal hinter sich greifen musste. Sechs Tore in einem Spiel sprechen nicht unbedingt für die Qualität des Torhüters. Doch zum einen war Schwäbe bei allen sechs Treffern chancenlos, zum anderen verhinderte der Kölner Keeper wie schon gegen Leverkusen Schlimmeres. Nur, dass Schwäbe damals den FC vor einem Debakel bewahrte, es dieses Mal aber nicht abwenden konnte. So kritisierte Steffen Baumgart nach dem Spiel einige Spieler, um auf der Pressekonferenz den Keeper zu loben. „Am Ende können wir uns noch bei Marvin Schwäbe bedanken, dass er die eine oder andere richtig gute Parade gezeigt hat“, sagte der Coach.

Kölner Defensive weit von Normalform entfernt

Der Kölner Trainer wusste natürlich sehr wohl, wo ein Problem am Samstagabend gelegen hatte. „Die Jungs, die über eine ganz lange Zeit stabil waren, haben heute ihren entscheidenden Fehler gemacht. Das tut schon weh“, sagte der Trainer ohne Namen zu nennen, deutete aber zwischen den Zeilen an, dass das Gebilde 1. FC Köln aktuell ein sehr fragiles ist. Wenn dann auch noch die Stabilisatoren ausfallen, fällt es wie ein Kartenhaus zusammen. Zumindest erweckte der FC gegen Leipzig genau dieses Bild. So erwischte auch Jeff Chabot wohl ausnahmsweise einen rabenschwarzen Tag. Der Innenverteidiger hatte eine gehörige Teilschuld an zwei Treffern, wirkte mit den schnellen Offensivkräften und bei einigen Tiefenläufen des Gegners überfordert. Zudem sah der Kölner Abwehrchef eine vollkommen überflüssige Gelbe Karte, die ein herzhaftes Eingreifen bei folgenden Abwehrversuchen zumindest erschwerte und die frühe Auswechslung bedeutete. Für ihn kam bereits zur Halbzeit Luca Kilian, der in dieser Saison noch nicht viel Einsatzzeit bekam und sich des Öfteren nur mit Foulspielen zu helfen wusste.

Noch vor wenigen Tagen hatte Baumgart Eric Martel als den Stabilisator der Kölner betitelt. Doch auch der Sechser war von seiner normalen Leistung ein großes Stück weit entfernt. Eine schlampige Ballbehandlung brachte Martel in einen unnötigen Zweikampf mit Amadou Haidara, der 21-Jährige wusste sich nur mit einer Ringereinlage zu helfen, die dann zum berechtigten Strafstoß führte. Martel leitete somit das Ungemach ein. Zwar steigerte sich der Mittelfeldspieler im Laufe der Partie, war einmal mehr der laufstärkste Spieler auf dem Platz und brachte 86 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler, wirklich glücklich wirkte der 21-Jährige aber nicht mehr. Ausgerechnet die beiden Kölner Defensiv-Konstanten, die beiden Spieler, die in der Jugend für Leipzig auf dem Platz gestanden haben, hatten maßgeblichen Anteil am Debakel.

FC findet kein Mittel

Natürlich nicht nur. Die ganze Mannschaft stand neben sich. So auch Leart Pacarada und Timo Hübers, bislang ebenfalls wichtige Stützen im Kölner Abwehrverbund. „Heute haben wir die Fehler gemacht, die du nicht machen darfst“, sagte Baumgart. „Wir legen vier Tore direkt vor und das sind individuelle Fehler, die dürfen nicht passieren.“ Tatsächlich hatte gerade die Kölner Defensive die Geißböcke in vielen Begegnungen im Spiel gehalten, oft noch Schlimmeres verhindert – zumindest lag die Krise bislang sicher nicht an Chabot und Co. Bis zum achten Spieltag hatte der FC nur 15 Gegentore zugelassen – am Samstag waren es sechs. Die Innenverteidigung gewann bislang im Schnitt rund zwei Drittel ihrer Zweikämpfe, bei Chabot waren es gegen Leipzig gerade einmal 40 Prozent.

Das angesprochene Manko der Kölner war aber nur ein Teil der Wahrheit. Das Gesamtbild hieß wohl eher zu viele individuelle Fehler, zu wenig individuelle Klasse, die der FC den Bullen entgegen zu setzen hatten. Nahezu in jedem Mannschaftsteil war RB einfach besser. Deutlich besser. So reichte ein taktischer Kniff, nämlich die Umstellung von Vierer- auf Dreierkette, um Köln aus dem Konzept zu bringen, wie Florian Kainz später bestätigte. Der FC fand nicht in sein Spiel und erst recht kein Mittel gegen die geballte Offensivkraft, das beeindruckende Tempo der Leipziger.

Am meisten ärgerte Baumgart aber die falsche oder fehlende Einstellung. „Wir können hier den Arsch voll kriegen, dafür ist die Qualität von Leipzig entsprechend. So darfst du nicht auftreten. Du darfst nicht den Kopf hängen lassen“, sagte der Coach. Dementsprechend durften sich die Spieler nach der Begegnung auch einiges anhören. Gegen Kaiserslautern wird am Dienstag mit Sicherheit ein anderer FC zu sehen sein.


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Kommentar: Debakel lässt die Euphorie verpuffen

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Kommentar: Debakel lässt die Euphorie verpuffen

Eine knappe Woche hat die Euphorie durch den Derbysieg die bedrohliche Situation ein wenig vergessen gemacht, sie kaschiert. Das 0:6 hat die Krise wieder schamlos offen gelegt. Und das zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Ein Kommentar.

Die berechtigte Euphorie nach dem 3:1-Erfolg über Gladbach ist am Samstagabend wie ein Kartenhaus zusammen gefallen. Das Selbstvertrauen dürfte sich nach dem desolaten Auftritt wieder im Keller befinden. Und das unmittelbar vor den Duellen gegen die direkte Konkurrenz. Ein Kommentar zur 0:6-Pleite des 1. FC Köln.

Die Bilder hätten kaum unterschiedlicher sein können. Steffen Baumgart ausgelaugt auf der Reservebank, gezeichnet von einer fiebrigen Erkältung, vor allem aber auch von der großen Erleichterung, die er auch später im Interview beschrieb. Ganze sechs Tage später dann ein ganz anderes Bild: der schimpfende, wütende Baumgart, der bei seiner Kritik auch seine Spieler nicht länger ausklammern wollte, noch auf dem Spielfeld auf sie sichtbar erregt einredete. Wut und Frust waren am Samstag mindestens genauso verständlich wie die Erleichterung nach dem Derbysieg am vergangenen Sonntag.

Leipzig ist ein anderes Kaliber

Beim 0:6 in Leipzig boten die Kölner eine desolate Leistung, stellten ihre Bundesligatauglichkeit selbst in Frage, wie auch Thomas Kessler richtig bemerkte und ließen so ziemlich alles vermissen, was es im Abstiegskampf braucht. Auch mit Baumgarts mutigen, selbstbewussten Offensivfußball hatte das Spiel in Leipzig wenig gemein. Die Kölner standen tief, fanden offensiv so gut wie nicht nicht statt und erinnerten viel mehr an jene Mannschaft, die vor drei Spielzeiten mit ihrem destruktiven Zerstör-Kick nur hauchdünn am Abstieg vorbeischrammten. Anderer Trainer, zum Großteil andere Mannschaft – und doch muss der Vergleich angesichts der aktuellen Situation, der vermeintlich zurückgekehrten Krise erlaubt sein. Denn der FC hatte am Samstag viel von einem Absteiger.

Erstaunlich, dass exakt dieselbe Mannschaft auf dem Feld stand, die eine Woche zuvor Gladbach dominiert hat. Eben ein Team, dass ebenfalls in dieser Spielzeit schon zeigte, wie man gegen RB bestehen kann, nur unglücklich 0:1 verlor. Nun ist Leipzig ein anderes Format, ein anderes Kaliber, das in anderen Sphären agiert, als die Fohlen und auch als die Geißböcke. Alleine der Kaderwert der Leipziger ist sechs Mal so hoch wie der des FC, Doppeltorschütze Lois Openda kommt gemeinsam mit dem wohl kommenden Superstar Xavi Simons auf einen Marktwert, der den des gesamten Kölner Kaders übersteigt. Baumgart hat recht, wenn er sagt, dass die Schere zwischen den Topteams und dem Rest der Liga größer wird und die ersten Sechs wegziehen, während die unteren Acht ums Überleben kämpfen. Das ist nicht von der Hand zu weisen und die Schere wird größer werden. Nur hatte man am Samstag nicht den Eindruck, dass die Kölner das letzte Hemd gaben, ums Überleben kämpften. Alarmierend, dass der Ausfall der Stabilisatoren das Kartenhaus hat zusammenfallen lassen.

Köln darf gegen Leipzig verlieren, nur nicht so

Nur um das Klarzustellen: eine Mannschaft wie Köln darf in Leipzig verlieren, Punkte wird kein Verantwortlicher erwartet haben. Aber die Mannschaft, die nach dem Derbysieg doch vor Selbstbewusstsein hätte strotzen sollen, versank in Mutlosigkeit. Der FC wirkte vollkommen verunsichert, ängstlich, seltsam fehl am Platz. Köln hat eine große Chance liegen lassen und das sicher nicht aufgrund des Ergebnisses. Der Derbysieg hat am und um das Geißbockheim eine Euphorie ausgelöst. Eine Euphorie, die der Krise trotzte, sie kaschierte, Hoffnung weckte. Nicht wenige Fans, nicht wenige Experten sahen in dem Erfolg den Auftakt der Wende, sie hofften zumindest darauf und darauf, dass die Kölner Verantwortlichen mit ihren Planungen, ihren Taktiken, ihren Strategien am Ende doch recht behalten würden. Diese Euphorie, dieser Kredit, dieser Glaube ist mit dem 0:6 in Leipzig vorerst verpufft. Der Derbysieg sollte Köln eigentlich beflügeln, ausgerechnet RB hat dem FC diese Flügel aber gestutzt. Köln hat auf der Euphoriewelle reitend eine fast schon historische Bruchlandung erlitten.

Das Derby wie auch beispielsweise die knappe Niederlage gegen den BVB haben gezeigt, dass der FC durchaus mithalten, auch Gegner schlagen kann. Sie haben gezeigt, dass Köln per se das Zeug zum Klassenerhalt hat. Dazu muss beim FC aber vieles zusammenlaufen. Von der Kaderdichte, über die Leistung auf dem Feld bis hin zur Mentalität. Das Selbstvertrauen für die bevorstehenden Aufgaben gegen die Mannschaften auf Augenhöhe, für die richtungweisenden Wochen im Herbst dürfte nach der bösen Pleite aber ähnlich tief im Keller stecken, wie der FC in der Tabelle – gelitten hat es allemal. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Den Mut muss sich der FC nun im Pokal zurückholen. Und das gegen einen sicherlich aufopferungsvoll kämpfenden Zweitligisten, in einem euphorischen Stadion – es gibt leichtere Aufgaben. Diese war selten so wichtig.

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Matchwinner Kainz

Der Ton wird rauer

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Der Ton wird rauer

Am neunten Spieltag der Bundesliga hat der FC die siebte Niederlage kassiert. Eine besonders bittere – gegen RB Leipzig hatten die Kölner nicht den Hauch einer Chance. Kein Wunder, dass sich die Tonlage in Köln ändert.

Trotz der anhaltenden Krise haben sich die Verantwortlichen des 1. FC Köln immer vor die Mannschaft gestellt. Das tun sie auch weiterhin, doch der Ton wird nach dem 0:6 beim FC rauer.

Steffen Baumgart ist wahrlich kein Mensch, der seine Emotionen gut verstecken kann. Wenn überhaupt ein Lächeln, das irgendwo innerlich stattfindet. Nun war dem Kölner Trainer am Samstagabend nicht gerade nach Lächeln zu Mute. Im Gegenteil: Baumgart schimpfte. Mit seinen Spielern, mit dem Schiedsrichter. Irgendwie beschlich den Zuschauer das Gefühl, er würde während des 0:6-Debakels, seiner höchsten Niederlage als FC-Trainer, mit allem schimpfen, was auch nur annähernd in seinem Sichtfeld landete. Nein, Baumgart war ganz und gar nicht glücklich. Und daraus machte er auch nach dem Spiel keinen Hehl. „Um RB Paroli bieten zu können, müssen wir anders auftreten. Die Sachen, die wir über einen langen Zeitraum gut gemacht haben, müssen wir auch heute gut machen. Davon haben wir heute aber sehr wenig gut gemacht“, sagte der Trainer.

Baumgart hadert mit den individuellen Fehler

Dabei hatte der FC Leipzig nicht nur kein Paroli geboten, die Kölner wurden phasenweise vorgeführt. Die Dominanz des Gegners war beeindruckend – zumindest für die Anhänger, die es mit den Sachsen halten, für FC-Fans war es ausgerechnet nach dem euphorisierenden Derbysieg eine bittere Bruchlandung. Zur Halbzeit lagen die Kölner bereits 0:4 zurück und das hochverdient. Tatsächlich hatten die Geißböcke Glück, dass es nicht schon nach 45 Minuten ein Halbes Dutzend gegeben hatte. Die einzige wirkliche Kölner Torchance vergab Luca Waldschmidt, der nach einer Flanke von Linton Maina aus wenigen Metern nur den Pfosten traf. Nach dem Wechsel schaltete RB einen Gang zurück, konnte das Ergebnis aber dennoch in die Höhe schrauben. Der FC war nur noch einmal durch Davie Selke gefährlich.

Dass Leipzig an diesem Abend besser war, ärgerte Baumgart dabei gar nicht so sehr, damit hatte der Trainer gerechnet. Vielmehr haderte er mit der Leistung seiner eigenen Mannschaft. „Wir waren RB in keiner Weise gewachsen – unabhängig davon, ob wir Fehler gemacht haben und die haben wir gemacht. Wir legen vier Tore direkt vor. Das sind Fehler, die dürfen nicht passieren“, sagte Baumgart. „Die Jungs, die über eine ganz lange Zeit stabil waren, haben heute ihren entscheidenden Fehler gemacht“, so der Trainer weiter, der vermutlich Spieler wie Jeff Chabot und Eric Martel meinte, die den Kölnern in den vergangenen Krisen-Wochen zumindest ein wenig Stabilität verliehen hatten. „Das tut schon weh. Wir können hier den Arsch voll kriegen, dafür ist die Qualität von Leipzig entsprechend. Aber so darfst du nicht auftreten“, wurde der Kölner Trainer dann doch deutlicher.

Baumgart zeigt sich selbstkritisch

Gerade die individuellen Fehler brachten Baumgart so richtig auf die Palme. So landete Eric Martel noch in der Anfangsphase auf dem Hosenboden, begrub dabei aber Amadou Haidara unter sich und Schiedsrichter Benjamin Brand musste auf den Punkt zeigen. Timo Werner verwandelte eiskalt. Ein Fehlpass von Chabot auf Haidara in der Vorwärtsbewegung sorgte für eine Unterzahl in der Rückwärtsbewegung: 0:2. Vor dem dritten Leipziger Treffer passte Leart Pacarada Haidara den Ball zu, der den nächsten erfolgreichen Angriff einleitete. Und unmittelbar vor dem Seitenwechsel schaute die Kölner Defensive beim vierten Streich einfach nur noch zu.

Und so soll der Kölner Trainer schon in der Kabine zur Pause laut geworden sein. Welche Tonart der Coach dort genau wählte, ist nicht bekannt. Dass sowohl Davie Selke als auch Florian Kainz aber betonten, dass die Worte des Trainers in der Kabine oder im Kreis bleiben sollten, sagt wohl mehr aus als die ausgesprochenen Worte. Sichtbar wurde der Frust dann wieder nach dem Spiel, als Baumgart einen Kreis bilden ließ und auf seine Spieler sichtbar enttäuscht einredete. „Den Kopf runternehmen, das ist keine Art und Weise“, sagte Baumgart später. Aber: „Ich nehme die Jungs auch gleich wieder in den Arm.“ Und nicht nur das, Baumgart stellte sich auch wieder vor seine Jungs. „Das hat dann auch was mit mir zu tun. Ich muss Lösungen anbieten und die waren heute nicht gut genug“, so der 51-Jährige selbstkritisch. „Ich bin derjenige, der sagt, wie es gehen kann. Und so geht es auf keinen Fall.“  

Deutliche Worte von Thomas Kessler

Ungewohnt deutlich kritisierten dagegen Thomas Kessler und Christian Keller die Leistung der Mannschaft. „Wir haben heute einiges gemacht, was du dir in der Bundesliga nicht erlauben kannst“, erklärte der Leiter der Lizenzspielabteilung. „Das sollte ein deutliches Ausrufezeichen für jeden Spieler sein, dass du so nicht Bundesliga spielen kannst.“ Kessler zeigte sich verwundert über das Ausmaß der Fehler. „Mir haben die ganzen 90 Minuten nicht gefallen“, resümierte auch Keller und betonte, dass der FC mit dem halben Dutzend Gegentoren noch gut bedient gewesen ist. Vor dem Pokalspiel gegen Kaiserslautern am Dienstag wird der Ton beim FC rauer. Die Kölner Verantwortlichen nehmen die Spieler in die Pflicht. Vielleicht ein wichtiger Wachmacher vor den „Wochen der Wahrheit“.  

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Einzelkritik

„Das hat dann auch was mit mir zu tun“

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„Das hat dann auch was mit mir zu tun“

Auf den Befreiungsschlag folgte am Samstag ein Debakel. 0:6 unterlagen die Kölner RB. Dementsprechend war die Stimmung beim FC. Die Stimmen zum Leipzig-Spiel.

„Von uns allen waren es zu viele Fehler. Das, was der Trainer gesagt hat, bleibt im Kreis, kann sich aber jeder denken. Wir wollten den Derby-Aufschwung mitnehmen, das hat nicht geklappt. Dienstag ist aber ein ganz anderes Spiel. Wir müssen uns kurz schütteln, dann wartet ein richtig geiles Spiel auf uns.“ 

Davie Selke

„Wir waren RB in keiner Weise gewachsen – unabhängig davon, ob wir Fehler gemacht haben und die haben wir gemacht. Wir legen vier Tore direkt vor. Das sind Fehler, die dürfen nicht passieren. Um RB Paroli bieten zu können, müssen wir anders auftreten. Die Sachen, die wir über einen langen Zeitraum gut machen, müssen wir auch heute gut machen. Und davon haben wir heute sehr wenig gut gemacht. Die Jungs, die über eine ganz lange Zeit stabil waren, haben heute ihren entscheidenden Fehler gemacht. Das tut schon weh. Wir müssen uns an die eigene Nase packen. Das hat dann auch was mit mir zu tun. Ich muss Lösungen anbieten und die waren heute nicht gut genug. Deswegen bin ich derjenige, der sagt, wie es gehen kann. Und so geht es auf keinen Fall. Wir sehen gerade, dass die ersten Sechs wegziehen. Das Problem mit der Qualität haben die ersten Sechs nicht und die letzten Acht schon. Wir gehören zu den unteren Acht, gegen die wir uns durchsetzen müssen. Wir haben es gegen Leverkusen gesehen. Nur haben meine Jungs da ordentlich gespielt. Heute waren wir noch klarer unterlegen. Heute haben wir die Fehler gemacht, die du nicht machen darfst. Ich bin derjenige, der vorne steht und die Lösungen vorgeben muss. Heute waren die Lösungen nicht gut genug. Mit der Mannschaft gehe ich um wie immer. Wir müssen ganz klar gucken, was geht und was nicht geht. Man sollte schon mutig sein. Wir können hier den Arsch voll kriegen, dafür ist die Qualität von Leipzig entsprechend. So darfst du nicht auftreten. Du darfst nicht den Kopf hängen lassen. Das sind wir nicht. Ich stehe für einen anderen Fußball. Ich nehme die Jungs auch gleich wieder in den Arm. Den Kopf runternehmen, das ist nicht die Art und Weise. Es sind meine Jungs.“

Steffen Baumgart

„Leipzig war die klar bessere Mannschaft. Sie hatten gute Lösungen mit dem Ball, wir haben es nicht geschafft, Zugriff zu bekommen. Sie haben es anders als erwartet gespielt. Wir waren von einer Viererkette ausgegangen. Wir haben es dann vor dem Anpfiff besprochen, es aber nicht geschafft Druck drauf zu bekommen. Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, haben individuelle Fehler gemacht und haben völlig verdient verloren. Der Trainer war in der Halbzeit schon nicht so gut drauf. Er hat uns schon gesagt, dass wir da durch müssen. Heute haben wir richtig einen auf den Deckel bekommen Aber was in der Kabine war, bleibt in der Kabine. Jeder kann sich vorstellen, dass der Trainer nach so einem Spiel nicht gut drauf ist. Das sind wir Spieler aber auch nicht. Wir müssen das Spiel schnell abhaken, weil wir am Dienstag ein extrem wichtiges Spiel haben, für das wir unsere Kräfte sammeln müssen.“

Florian Kainz

„Wir haben heute eine Top-Leistung gezeigt und ein wirklich gutes Spiel auf den Platz gebracht. Wir hatten heute das Spiel, was wir gebraucht haben. Nach vielen Arbeitssiegen hatten wir heute ein Spiel, wo wir in den Flow kommen. Und wir haben gefühlt, dass wir das schaffen können. Ich freue mich heute sehr für die Jungs. Die Dinge sind aber nah beieinander. Vor drei Wochen hatten wir drei Spiele in Folge nicht gewonnen, in den letzten Spielen haben wir uns schon auch immer wieder schwergetan. Es freut mich, dass wir heute auch mal durchgezogen haben. Ohne Gas rauszunehmen und ohne groß was zuzulassen. Wir haben uns den Sieg über 90 Minuten mehr als verdient.“

Marco Rose

„Wir haben Leipzig permanent zu Torchancen eingeladen. Dabei haben sie noch nicht einmal alle ihrer Chancen genutzt. Wir haben heute einiges gemacht, was du dir in der Bundesliga einfach nicht erlauben kannst. Das sollte ein deutliches Ausrufezeichen für jeden Spieler sein, dass du so nicht Bundesliga spielen kannst. Wir müssen uns ordentlich schütteln, dann muss es ein klares Fazit unter diesem Spiel finden. Es gab einige Aktionen, eklatante Fehler, die ich in diesem Ausmaß von unserer Mannschaft noch nicht gesehen habe.“

Thomas Kessler

Alles zum Spiel

Einzelkritik

Einzelkritik der FC-Profis gegen Leipzig

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Einzelkritik der FC-Profis gegen Leipzig

Nach dem überzeugenden Sieg über Gladbach erlebte der FC gegen Leipzig ein Debakel. Dabei konnte kein Feldspieler eine ordentliche Leistung abrufen. Das zeigen auch die Noten.

In der vergangenen Woche lobte FC-Trainer Steffen Baumgart noch eine überragende Halbzeit gegen Gladbach, nun erlebte er genau das Gegenteil bei RB. Gegen den Champions-League-Teilnehmer hatte Köln nicht den Hauch einer Chance. Die Einzelkritik der FC-Profis gegen Leipzig

Ungewohnt deutlich wurde FC-Trainer Steffen Baumgart nach dem Spiel gegen Leipzig. Auch, weil Köln gegen RB nicht den Hauch einer Chance hatte. Baumgart monierte unter anderem, dass gerade die Spieler, die über einen langen Zeitraum stabil gewesen seien, nicht an ihre Leistungen anknüpfen konnten. So ist es nicht verwunderlich, dass die Defensive durch die Bank weg schlechte Noten kassiert hat. Vor allem durch individuelle Fehler machten sich die Geißböcke das Leben schwer. Auch in der Offensive wollte nicht viel gelingen. Einzig Luca Waldschmidt bäumte sich sichtlich gegen die Niederlage, hatte aber Pech bei seinem Pfostentreffer.

So bewerten wir die FC-Profis gegen Leipzig

Konnte einem eigentlich nur noch leid tun. Parierte in der Anfangsphase stark gegen Openda und Simons. Sah beim 0:3 extrem unglücklich aus, hätte es aber auch nicht verhindern können. War bei allen Gegentoren chancenlos, musste dennoch ein halbes Dutzend mal hinter sich greifen. Es hätte wohl auch noch schlimmer kommen können.

Hatte kein Mittel gegen das hohe Tempo sämtlicher Leipziger. Wurde massiv an seine Grenzen geführt und leistete sich einige individuelle Fehler. So wie vor dem 0:3 mit einem Fehlpass. Stand einmal allerdings richtig und verhinderte mit dem Kopf noch Schlimmeres.

War vielleicht einen My besser als seine Defensivkollegen. Wird möglicherweise von Lois Openda träumen, der nahezu in jeder Aktion einen Schritt schneller, vor allem aber glücklicher war.

Verhinderte mit einer Flugeinlage den frühen 0:2-Rückstand vor dem lauernden Openda. Sah zunächst aus Übereifer die Gelbe Karte, spielte anschließend Simons vor dem 0:2 frei, ließ sich beim 0:4 in erschreckender Leichtigkeit austanzen. Musste zur Halbzeit raus.

Kam oft zu spät, fand offensiv so gut wie gar nicht statt. Unfassbar wie viel Raum er eben Raum beim 0:3 gelassen hat. Auch sonst kein guter Auftritt des Dänen.

Hatte bei seiner Hereingabe auf Selke eine der wenigen guten Offensivaktionen der Kölner. Versuchte, das Spiel anzutreiben, musste sich aber auch der Offensivkraft des Gegners beugen und Defensivaufgaben übernehmen. Auch das gelang nicht sonderlich gut.

Scheiterte erst bei dem Versuch, den Ball aus der Gefahrenzone zu bekommen, dann bei seiner Ringereinlage gegen Hairada. Leitete so das Ungemach ein. Sah auch beim 0:3 alles andere als glücklich aus.

Mühte sich, ackerte, fand aber auch keine Möglichkeit, das Spiel anzukurbeln.

Kam auf erstaunliche elf Ballkontakte im ersten Abschnitt. Musste vielleicht auch deswegen runter. Leitete immerhin die einzige Chance der ersten 45 Minuten ein.

Trat im ersten Durchgang so gut wie gar nicht in Erscheinung, kam auf 7 (!) Ballkontakte. Tauchte nach dem Wechsel dann vor Blaswich auf und vergab aus gefühlt Zentimetern.

Versuchte immer wieder das Tempo im Zentrum anzuziehen. Hätte beinahe den Ausgleich erzielt, traf aber nur den Pfosten. War in der Offensive allein auf weiter Flur.

Kam zur Halbzeit für Chabot und fügte sich nahtlos in den Defensivverbund ein. Wusste sich oft nur mit einem Foulspiel zu helfen. Eins führte zur bitteren Verletzung von Olmo – wenn auch unbeabsichtigt. Zeigte aber die Entschlossenheit eines Spielers, der lange auf seine Chance gewartet hat.

Fiel eigentlich das erste Mal mit seiner unfreiwilligen Vorlage zum 0:6 auf. Hatte keinen Zugriff auf die Partie, fand im Grunde nicht statt.

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FC zurück auf dem Boden der Tatsachen

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FC zurück auf dem Boden der Tatsachen

Nach dem Derbysieg am vergangenen Wochenende ist der 1. FC Köln unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Bei RB kassierten die Kölner eine auch in dieser Höhe verdiente Klatsche.

Viel wurde über die Negativ-Serie von Steffen Baumgart gegen Leipzig und seinen Kumpel Marco Rose diskutiert, sie hat am Samstagabend einen bitteren Höhepunkt erfahren. Die Euphorie nach dem Derbysieg über Gladbach war für Köln jedenfalls nur von Kurzer Dauer. Der 1. FC Köln kassiert eine bittere 0:6-Niederlage bei RB Leipzig und liegt nun wieder auf einem direkten Abstiegsplatz. Beim 0:6 nach Toren von Timo Werner, Lois Openda (2), David Raum, Benjamin Sesko und Christoph Baumgartner unterliefen den Kölnern erschreckend viele individuelle Fehler. Zu allem Überfluss sah Mathias Olesen zehn Minuten nach seiner Einwechslung die Gelb-Rote Karte. Der einzige Lichtblick war das Comeback von Mark Uth.

Wie erwartet und eigentlich auch folgerichtig blieb Steffen Baumgart komplett bei der Erfolgself vom Derby, Marco Rose stellte dagegen vor allem taktisch um, setzte auf eine Dreierkette. Personell stand vor allem auch Timo Werner mal wieder in der Startelf. Die erste Chance hatte aber Leipzigs 60-Millionen-Euro-Stürmer Lois Openda, der von Benjamin Henrichs geschickt wurde, aus spitzem Winkel aber an Marvin Schwäbe scheiterte. Genauso wie Xavi Simons, der es von der Sechzehnerlinie versuchte. Der FC stand dagegen ungewöhnlich tief, lauerte auf Fehler, die Balleroberung und Umschaltmomente. Die Fehler machte aber der FC und das in einem viel zu hohen Maße. Den ersten machte Eric Martel. Der Sechser bekam den Ball gegen Amadou Haidara nicht unter Kontrolle, stoppte den Gegenspieler mit einer verunglückten Ringereinlage, die Schiedsrichter Benjamin Brand mit einem Strafstoß ahndete. Diesen verwandelte ausgerechnet der bis dahin blasse Werner souverän.

FC mit zu vielen individuellen Fehlern

RB hatte das Spiel im Griff, ließ so gut wie gar nichts in der eigenen Hälfte zu und setzte wenige, dann aber sehr gefährliche Spitzen. Der FC sorgte wenn überhaupt bei Standards für einen Hauch von Gefahr, mehr aber auch nicht. Nach einer halben Stunde brach Maina über die rechte Seite durch, Waldschmidt nahm den Ball direkt und setzte ihn an den Pfosten. RB ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Der FC wirkte verunsichert, machte weiterhin unerklärliche individuelle Fehler und lud Leipzig damit ein. Nach einem Fehlpass von Chabot spielte Xavi Simons Openda perfekt in den Lauf und der Angreifer vollendete mit einem satten Schuss kaltschnäuzig. Leart Pacarada spielte ebenfalls einen haarsträubenden Fehlpass, Henrichs flankte in den Strafraum, in dem David Raum gegen drei (!) Kölner Abwehrspieler leichtes Spiel und nickte den Ball an den Pfosten. Von dort sprang er an den geschlagenen Schwäbe, der zum 0:3 aus Kölner Sicht traf. Und als wäre das noch nicht genug, erhöhte Openda mit einer starken Einzelleistung zum 4:0-Halbzeitstand. Zuvor hatte Simons nahezu im Alleingang die Kölner Defensive ausgehebelt.

Comeback von Uth einziger Kölner Höhepunkt

Baumgart wechselte bereits zur Halbzeit, nahm den verwarnten Chabot sowie Maina vom Platz und brachte Luca Kilian sowie Faride Alidou. Doch das Bild änderte sich nicht. So prüfte Werner mit seinen zweiten und dritten Abschlüssen den Kölner Keeper innerhalb weniger Minuten. Auf der anderen Seite spielte Dejan Ljubicic einen scharfen Ball in den Strafraum, aber Davie Selke vergab aus kürzester Distanz. Doch auch weiterhin dominierte RB das Spiel und vor allem den FC nach Belieben, war aber nicht mehr so zielstrebig wie noch im ersten Abschnitt. Chancen erarbeitete sich Leipzig aber weiterhin. So brachte Henrichs eine Flanke in den Strafraum, Openda traf den Ball nicht richtig. Leipzig hatte zu diesem Zeitpunkt mindestens einen Gang runtergeschaltet, tat nicht mehr als nötig.

Das brauchte RB auch nicht. Denn der FC schwächte sich auch noch selbst. Nur zehn Minuten nach seiner Einwechslung sah Mathias Olesen die Gelb-Rote Karte. Vor allem die zweite Verwarnung war hart, aber vertretbar. Unmittelbar vor dem Schlusspfiff durften dann die eingewechselten Benjamin Sesko und Christoph Baumgartner auch noch mal und erhöhten auf den 6:0-Endstand. „Der Trainer war in der Halbzeit schon nicht so gut drauf“, sagte Kainz. „Er hat uns schon gesagt, dass wir da durch müssen. Heute haben wir richtig einen auf den Deckel bekommen.“ Das einzige Kölner Highlight war das Comeback von Mark Uth – es hat schon schönere gegeben.

1. FC Köln: Schwäbe – Carstensen, Chabot (45. Kilian), Hübers, Pacarada – Martel, Ljubicic – Waldschmidt (70. Olesen), Kainz (70. Huseinbasic), Maina (45. Alidou) – Selke (77. Uth); Tore: 1:0 Werner (15.), 2:0 Openda (40.), 3:0 Raum (45.), 4:0 Openda (45.), 5:0 Sesko (89.), 6:0 Baumgartner (90.) – Gelb-Rot: Mathias Olesen (80.)

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Gegnercheck: Starkes Umschaltspiel, überragende Chancenverwertung

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Gegnercheck: Starkes Umschaltspiel, überragende Chancenverwertung

Nach dem Derbysieg am vergangenen Sonntag ist der FC am Abend zu Gast bei RB Leipzig. Eine denkbar schwere Aufgabe. Denn RB spielt einen gefährlichen und erfolgreichen Tempofußball.

Auf den FC wartet auch am neunten Spieltag ein dicker Brocken. Für die Geißböcke geht es am Abend zum Duell gegen RB Leipzig. Eine schwere Aufgabe. Das zeigt auch unser Gegnercheck zu RB Leipzig.

Am Ende hat gar nicht so viel gefehlt und Steffen Baumgart hätte seinen ersten Sieg als Trainer gegen RB Leipzig gefeiert. Vor knapp 15 Monaten war der FC zu Gast in Leipzig, wehrte sich mit aller Macht gegen den selbst ernannten Titelkandidaten und als sich dieser durch eine Rote Karte von Dominik Szboszlai selbst schwächte, witterten die Kölner ihre Chance. Am Ende fehlte die Durchschlagskraft, um drei Punkte aus Sachsen mit nach Köln zu nehmen. Es blieb beim 2:2-Unentschieden. Für den damaligen Leipziger Trainer Domenico Tedesco war es der Anfang vom Ende. Nach dem fünften Spieltag und Platz elf war Schluss. RB verpflichtete Marco Rose und holte damit die RB-DNA zurück. Denn der gebürtige Leipziger brachte die eigentliche Spielidee der Sachsen mit: ein aggressives Pressing sowie ein schnelles und besonders gefährliches Umschaltspiel. Das hat der Trainer bis heute beibehalten. „Sie werden eine sehr sehr gute Mannschaft auf dem Platz haben, eine Mannschaft mit sehr viel Geschwindigkeit“, glaubt auch Baumgart.

Leipzig mit überragender Chancenverwertung

Tatsächlich suchen die Leipziger nach Balleroberung umgehend den direkten Weg in die gefährliche Zone. Dabei kommen ihnen die schnellen Offensivspieler natürlich zu Gute. Allen voran Lois Openda, der in den bisherigen acht Ligaspielen bereits sechs Tore erzielte. Und noch ein weiterer Ansatzpunkt dürfte Steffen Baumgart durchaus bekannt vorkommen. Auch Leipzig setzt den Gegner früh unter Druck, stresst ihn und versucht, ihm keine Luft zum Atmen zu lassen. Allerdings ist das Leipziger Spiel nicht so laufintensiv wie das Kölner. Zudem suchen die Bullen deutlich seltener den Abschluss als der FC. Allerdings macht die RB-Offensive dieses vermeintliche Defizit durch eine überragende Torquote wieder wett. Während der FC gerade einmal fünf Prozent seiner Chancen in Tore ummünzt, ist bei RB jeder fünfte Schussversuch ein Treffer. Nur Stuttgart mit dem überragenden Serhou Guirassy sowie die Leverkusener Offensiv-Maschinerie sind in dieser Statistik minimal erfolgreicher.

Rose spielt in aller Regel ein kompaktes 4-2-2-2-System, wobei die beiden Sechser in der Rückwärtsbewegung die Räume extrem eng machen. Obwohl sich die Leipziger Defensive nicht immer sattelfest zeigt, hat RB erst sieben Gegentore kassiert. Einzig Frankfurt hat sich noch weniger Treffer gefangen. Dabei gehen fünf der Gegentore auf die Konten von Bayern München und Bayer Leverkusen. In der Vorwärtsbewegung kommt vor allem David Raum eine besondere Aufgabe entgegen. Der bislang schnellste Leipziger Akteur schaltet sich immer wieder in die Offensivbewegung ein. Im Schnitt spielt Leipzig 40 Prozent seiner Angriffe über die linke Seite. Raum ist in der gesamten Bundesliga der Spieler mit den meisten Flanken aus dem Spiel heraus. 35 Hereingaben brachte der Nationalspieler. Auf Rang drei liegt in dieser Statistik Leart Pacarada mit 25 Hereingaben.

Beeindruckende Transferpolitik

Zwar hat Leipzig mit Akteuren wie Dominik Szoboszlai, Josko Gvardiol und Christopher Nkunku zahlreiche starke Spieler verloren, RB hat sich aber auch extrem gut verstärkt. Alleine die jungen Offensivkräfte Openda und Xavi Simons deuten schon jetzt die enorme Qualität des Kaders an. Insgesamt hat RB mehr als 150 Millionen Euro in neue Spieler investiert und das in Akteure, die vornehmlich zwischen 20 und 23 Jahre alt sind. Unter anderem knapp 30 Millionen in den Innenverteidiger Castello Junior Lukeba, der mit seinen 20 Jahren erst vor zehn Tagen sein Debüt für die französische Nationalmannschaft feierte sowie 20 Millionen in den hoch veranlagten slowenischen Stürmer Benjamin Sesko, der wettbewerbsübergreifend auf fünf Tore kommt. Dennoch hat RB ein Plus von rund 100 Millionen Euro auf dem Transfermarkt erzielt. Zudem sind zahlreiche Leistungsträger wie Dani Olmo oder Emil Forsberg geblieben, die der Mannschaft Stabilität und Kreativität verleihen.

Der Vergleich:

Der Kaderwert spricht deutlich für die Gastgeber. Leipzig erreicht laut Gool.ai einen Kaderwert von rund 450 Millionen Euro, der FC liegt aktuell bei rund 80 Millionen Euro. Kölns wertvollster Spieler ist Dejan Ljubicic (9.5 Mio), gäbe es in Leipzig eine interne Liste der wertvollsten Spieler, würde sich der Österreicher auf Rang 17 (!) einsortieren. Der wertvollste Spieler von RB ist Openda, dessen Wert Gool.ai auf mehr als 62 Millionen Euro berechnet.

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Einzelkritik

Routine statt Talente

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Routine statt Talente

Max Finkgräfe und Damion Downs gehörten am vergangenen Wochenende nicht zum Kader der Profis und werden auch gegen Leipzig nicht spielen. FC-Trainer Steffen Baumgart setzt auf Erfahrung. Der Kader gibt das aktuell aber auch her.

Mit einer beeindruckenden Leistung hat der FC am vergangenen Wochenende das Derby gegen Gladbach verdient gewonnen. Und das, weil die vermeintlichen Leistungsträger diese Leistung auch endlich abriefen. Nicht im Kader standen dagegen die Nachwuchshoffnungen Max Finkgräfe und Damion Downs beim 1. FC Köln: Baumgart setzt auf Routine statt Talente.

Ein direkt verwandelter Freistoß am Mittwoch, ein Seitfallzieher zur Kölner Führung am vergangenen Samstag – würde sich Max Finkgräfe nicht schon längst im Dunstkreis der Kölner Profis befinden, spätestens seit den letzten beiden Einsätzen für die U21 läge wohl der Fokus der FC-Bosse auf dem Youngster. Der 19-Jährige feierte in dieser Saison allerdings schon sein Profidebüt, kam sogar schon zu vier Bundesliga-Einsätzen und trug zumindest im Testspiel gegen Reusrath die Kapitänsbinde. Es gibt wenig Zweifel daran, dass man beim FC große Stücke auf den Youngster hält. Auch Damion Downs erhielt bereits seine Minuten in der Bundesliga, gilt ebenfalls als großer Hoffnungsträger. Spielern wie Downs und Finkgräfe soll die Zukunft in Köln gehören. Eben die Zukunft. Schon gegen Gladbach standen die beiden Youngsters nicht im Kader, auch gegen Leipzig sind sie nicht dabei. Die beiden spielen aktuell wieder für die U21, am Samstag gegen Velbert.

Plätze im Kader sind begrenzt

„Das sind normale Abläufe, weil die Jungs noch immer zur U21 gehören“, erklärte Baumgart zu Beginn der Woche und betonte, dass kein Spieler suspendiert oder nach „unten“ geschoben worden sei. Der Gedanke des Kölner Trainers ist also auch weiterhin, dass die Youngsters sich eher bei viel Spielpraxis in der Reserve entwickeln, als mit wenigen Minuten bei den Profis. Der Fokus liegt bei den Nachwuchsspielern eben weiterhin auf der Entwicklung. Schon Ende September hatte Baumgart gefordert, dass man in der Krise nicht alle Hoffnungen auf den Nachwuchs legen solle. „Wir sollten nicht die kleinsten Strohhalme greifen, sondern die, die ein bisschen dicker sind“, erklärte der Trainer nach der 1:2-Niederlage gegen Bremen, obwohl Downs nur wenige Minuten auf dem Feld stand und dort einen besseren Eindruck hinterließ als andere Angreifer. Nicht umsonst forderten viele Kölner Anhänger mehr Einsatzzeit der Youngsters. „Ich glaube nicht, dass er schon so weit ist, dass er uns in 90 Minuten Bundesliga dahin bringt, wo wir hinwollen. Jetzt müssen die ran, die wirklich die Erfahrung haben“, sagte der Coach damals.

Dabei wird es dem Trainer mutmaßlich nicht ausschließlich um die Leistungssteuerung der Nachwuchshoffnungen gehen. Es geht möglicherweise auch um ein inneres Gleichgewicht, Unruhe im Profikader kann der Klub gerade jedenfalls nicht gebrauchen. Der ist nach der anhaltenden Verletzungsmisere zu Beginn der Spielzeit, die mit acht Ausfällen gegen Leverkusen vorerst ihren Höhepunkt erreichte, wieder sehr gut gefüllt. Baumgart kann aus dem Vollen schöpfen. Bis auf Philipp Pentke und Jacob Christensen sind alle Spieler wieder an Bord. Florian Dietz stand am Mittwoch nicht im Kader der U21, nahm dafür am Training der Profis teil, im Kader für die Begegnung gegen Leipzig steht er allerdings nicht. So wie in der Vorwoche trifft es ebenfalls Sargis Adamyan und Dimitrios Limnios, die auf der Tribüne Platz nehmen müssen. Gerade für Adamyan, der sich große Hoffnungen auf den Durchbruch in dieser Spielzeit gemacht hat, eine besonders bittere Situation.

Baumgart hat wenig Grund seinen Kader umzustellen

Für die Youngsters müssten weitere Routiniers weichen. Das ist nicht der Fall. Große Veränderungen sind auch in der Startformation nicht zu erwarten. Getreu dem Motto „never change a winning Team“ hat Baumgart nach der „überragenden“ Leistung gegen Gladbach wenig Grund, umzustellen. Auch, wenn der Coach am Donnerstag die Chancenverwertung und die Erarbeitung jener Chancen als Schwachstelle der Kölner ausmachte, die es zu verbessern gelte. Gegen Gladbach ging der Plan mit den Routiniers auf. Auch, weil Florian Kainz, Luca Waldschmidt und Co. erstmals in dieser Saison das Leistungsniveau erreichten, dass von ihnen gefordert wurde. Gegen Leipzig erwartet den FC aber nun eine ganz andere Hausnummer.

So könnte der FC in Leipzig spielen

 

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Florian Kainz und die kuriose Elfmeter-Vorahnung

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Florian Kainz und die kuriose Elfmeter-Vorahnung

Mit seinen zwei verwandelten Elfmetern avancierte Florian Kainz zum Matchwinner gegen Gladbach. Als hätte er es geahnt, hat der Mittelfeldspieler diese noch am Tag vor dem Derby trainiert.

Zwei Mal brachte Florian Kainz den FC mit verwandelten Strafstößen gegen Gladbach in Führung. Zwar verschoss der Kölner Kapitän auch einen, die Wiederholung verwandelte der Österreicher aber wieder souverän. Und das kommt nicht von ungefähr. Der Kölner Spielführer trainierte am Tag vor dem Derby den Schuss vom Punkt. Aber war da nicht etwas beim 1. FC Köln: Florian Kainz und die Elfmeter?

Den ersten Trost erhielt Florian Kainz ausgerechnet vom Schiedsrichter. Jenem Schiedsrichter, der gerade seinem Elfmeter die Gültigkeit verwehrt hatte. Als der Kölner Kapitän enttäuscht, leer auf den Boden starrte, klopfte ihm der Unparteiische Daniel Schlager aufmunternd auf die Brust. Florian Kainz hatte sich an jenem Abend im Januar 22 den Ball an die Ferse des anderen Fußes geschossen, von dort aus senkte er sich in einer seltsamen Flugkurve Richtung Tornetz. Doch der Treffer entsprach nicht den Regularien, Schlager konnte ihn nicht zählen lassen, der FC schied im Elfmeterschießen im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV aus. Ein bitterer Moment für den FC, der das Viertelfinale verpasste, für Trainer Steffen Baumgart, dessen großer Traum vom Finale in Berlin geplatzt war, aber vor allem für Florian Kainz, der sichtbar angeschlagen über den Platz schlich. „Die Nacht wird nicht schön werden. Das ist für mich persönlich eine schwierige Geschichte, aber ich werde damit umgehen können. Es wird weitergehen“, sagte Kainz damals.

Kainz übernimmt Verantwortung

Es ging natürlich weiter. Für den FC, für Kainz. Und mittlerweile ist der Österreicher Kapitän der Kölner, im Grude also in der Pflicht Verantwortung auf dem Feld zu übernehmen. Genau das wurde dem Mittelfeldspieler aber als große Bürde ausgelegt. Seine Formschwäche mit dem Amt in Verbindung gebracht. „Das Amt ist zwar medial ein Riesenthema, seit Jonas bekannt gegeben hat, dass er aufhört. Andererseits wird mir von der Vereinsseite überhaupt kein Druck gemacht“, sagte Kainz nun auf der Vereinshomepage der Kölner. „Wir haben insgesamt eine super Mannschaft – super Führungsspieler. Ich versuche, Verantwortung zu übernehmen und voranzugehen, aber es lastet nicht allein auf mir“, so Kainz weiter. „Aber bei uns geht es um die Mannschaft. Wie wir zusammenstehen und mit solchen Zeiten umgehen, bestätigt, was der Trainer uns von Beginn an sagt. Dass es ums Team geht und nicht um einzelne Personen.“ 

Als einzelne Person stand Kainz gegen Gladbach aber am Punkt und das genau drei Mal, wohlwissend, welche Bedeutung eine Kölner Führung und die bei Versuch zwei und drei auch noch in Überzahl haben würde. Wohlwissend, dass alleine im Stadion rund 50.000 Fans die Augen auf ihn gerichtet hatten. „Es geht dabei auch um Verantwortung. Es ist ja abgesprochen, dass ich schießen darf. Darüber freue ich mich, weil es eine Bestätigung für mich ist“, so der 31-Jährige. So nahm sich Kainz den Ball traf zum 1:0 und verschoss beim Stand von 1:1 zunächst den zweiten Strafstoß. Möglicherweise hat sich in diesem Moment der ein oder andere Fan einen anderen Schützen gewünscht, der Kopf wird sicherlich eine Rolle gespielt haben. Unter anderem bit sich Davie Selke an. Aber: „Es war meine Aufgabe. Ich habe mich auf die Situation konzentriert und versucht, in meinen Abläufen zu bleiben und den Ball reinzuschießen“, sagte der FC-Kapitän, der mittlerweile in der Bundesliga schon sieben Mal vom Punkt getroffen hat – insgesamt drei Mal gegen die Fohlen.

Kainz hatte Elfmeter am Tag vor dem Derby trainiert

Und Kainz war im Grunde auch prädestiniert für die Aufgabe. Zum einen, weil Experten sagen, dass es genau eben jene Pflichttypen wie Kainz braucht, um sich dieser Verantwortung beim Strafstoß zu stellen. Zum anderen, weil der Mittelfeldspieler offenbar geahnt hat, dass die Elfmeter eine Rolle würden spielen können. Beim Abschlusstraining am Tag vor dem Derby hatte Kainz die Schüsse vom Punkt noch einmal explizit trainiert. „Ich schieße oft unter der Woche nach dem Training alleine noch zwei, drei Elfmeter. Ich nehme mir Marvin oder Köbbi und teste meinen Schuss. Das mache ich regelmäßig. Aber so viele Elfmeter – speziell im Abschlusstraining – schieße ich normalerweise nicht“, erklärte der 31-Jährige und gab an, nicht zu wissen, warum er es ausgerechnet vor dem Derby getan hat.

Wie wichtig genau dieses Training ist, beschrieb Professor Daniel Memmert von der Sporthochschule Köln schon mehrfach in seinen Büchern. „Elfmeterschießen ist eine definierte Aufgabe, und die kann man trainieren, die Ausführung, die Abläufe“, sagte der Wissenschaftler einst der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen. „Automatisierungstraining hilft, weil unbewusste Prozesse ablaufen können. Diese sind relativ stabil und stressresistent.“ Diese Stressresistenz bewies Kainz, als er dann die Wiederholung seines zweiten Elfmeters souverän verwandelte und den FC somit auf Kurs brachte. Der Fehlversuch aus Hamburg war in diesem Moment nicht präsent.

So könnte der FC in Leipzig spielen

 

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