Das sagt Christian Keller nach der bitteren 0:2-Pleite
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Christian Keller: „Bevor die Mannschaft kritisiert wird, muss ich kritisiert werden“

Im Sport1-Doppelpass äußerte sich Christian Keller zu der bitteren 0:2-Pleite gegen Darmstadt, der vergebenen und gebliebenen Chance und der Situation bei einem möglichen Abstieg.

Nach der 2:0-Niederlage am Samstagnachmittag gegen den SV Darmstadt 98 steht der FC vor einer unsicheren Zukunft. Der Klassenerhalt ist zwar rein rechnerisch noch nicht verloren, die Leistung der Mannschaft allerdings gibt momentan wenig Grund zu großen Hoffnungen. Das sagt Christian Keller nach der bitteren 0:2-Pleite.

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Bereits am Samstagabend trat Christian Keller gezeichnet vor die Journalisten. Das 0:2 hatte dem Sportdirektor sichtbar zugesetzt. Der Eindruck hatte sich auch bis zum Sonntagmorgen nicht verflüchtigt, als der Kölner Sportdirektor beim Sport1-Doppelpass zu Gast war. Die Niederlage hatte der 46-Jährige offenbar noch nicht verdaut. „Es war ein ganz bitterer Nachmittag für uns. Wir wussten, dass wir mit drei Punkten aus dem Spiel wieder eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit haben, wieder sehr nah an den Relegationsplatz und sogar an den direkten Nicht-Abstiegsplatz heranzukommen“, sagte Keller. „Was wir dann auf dem Platz gebracht haben, war zu wenig oder wenn ich es härter ausdrücken soll: es war einfach nicht bundesligatauglich.“

Keller: „Es gibt keine Alternative zum Optimismus“

Natürlich ist auch Keller bewusst, in welcher Situation der FC steckt. „Die Fakten sind nicht von der Hand zu weisen. Am Schluss zählt im Fußball das Ergebnis. Und das war nicht ausreichend“, sagte Keller, fand aber auch einen Hoffnungsschimmer: „Es gibt keine Alternative zum Optimismus. Wir haben noch vier Spiele.“ Nun fahre man nach Mainz und wenn die Rheinhessen am Sonntag nicht punkten sollten, hätte man durchaus die Chance, „wieder ganz nahe heranzurücken“. Allerdings fehlt nach der 0:2-Pleite gegen Darmstadt die Phantasie, wie das gegen aufstrebende 05er gelingen soll. „Wir haben ein Spiel hergeschenkt, dass ein absolutes Muss-Spiel war. Mit dieser Leistung und wenn wir nicht einen Quantensprung machen, dann wird es nicht reichen.“

Tatsächlich spielten die Kölner gegen das Tabellenschlusslicht behäbig, ängstlich, ideenlos. „Wir waren in den Basics sehr schwach. Wenn ich die Ballannahme sehe, das Passspiel, auch die Bereitschaft den Ball zu fordern, dann waren wir da einfach total verängstigt“, sagte der Sportdirektor. „Wir hatten Angst vor der eigenen Courage und Angst, das Spiel zu verlieren. Das ist der falsche Weg. Eigentlich muss dich doch die Freude antreiben, etwas gewinnen zu können. Angst ist immer ein schlechter Wegbegleiter.“ Die Chance, dass die Geißböcke diese in den verbliebenen vier Spielen aus den Köpfen kriegen, ist wohl eher gering. Das sehen offensichtlich auch die Fans so. Denn erstmals kippte die Stimmung im Stadion richtig. Der Frust entlud sich vor allem in Richtung Keller.

Für den Sportdirektor nicht nur verständlich, sondern auch richtig. „Bevor die Mannschaft kritisiert wird, muss ich kritisiert werden. Ich bin am Schluss hauptverantwortlich“, sagte der Sportdirektor und räumte einmal mehr ein, dass es ihm nicht gelungen sei, Ellyes Skhiri und Jonas Hector adäquat zu ersetzen. „Fakt ist, der FC war in einer wirtschaftlichen Situation, in der du als sportlich Verantwortlicher nicht sagst, du kannst aus dem Vollen schöpfen, sondern wo der Auftrag war, spare einen erheblichen Anteil des Kaderbudgets ein, um darüber das wirtschaftliche Überleben zu sichern“, erklärte Keller. „Das haben wir getan. Hätte man mit dem massiv reduzierten Budget, das ganz klar im letzten Drittel der Liga anzusiedeln ist, hätte man da bessere Personalentscheidungen treffen müssen. Und der Frage muss ich mich stellen.“

Der FC hat drei Optionen

Allerdings bleibt der Sportdirektor dabei, dass die Qualität des Kaders eigentlich ausreiche. „Der Kader hat schon ein paar Spieler, die wenn Sie denn an ihr Limit gehen überdurchschnittlich gute Bundesliga-Qualität auf den Platz bringen können. Wir haben schon ein paar Jungs, die das könnten. Aus unterschiedlichen Gründen bekommen es die Spieler, die den Karren ziehen könnten aber nicht hin“, so Keller. „Wir haben eine Mannschaft, die es deutlich besser kann, als das was wir gegen Darmstadt geleistet hat. Die Frage ist, warum sind etliche Spieler unter ihrem Leistungsniveau.“ Keller betont, dass es definitiv nicht an Timo Schultz läge. Den Trainerwechsel wollte der Sportdirektor nicht groß kommentieren, betonte, dass er nicht in den Rückspiegel schauen wolle.

Unter dem Strich droht aber der Gang in die Zweitklassigkeit. Und der ist mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden. Keller sprach von etwa 40 Millionen Euro. Aber: „Der 1. FC Köln wird auch in der 2. Bundesliga in der Lage sein, sich aus eigener Kraft zu tragen und ein positives Jahresergebnis zu erwirtschaften“, so Keller. Dennoch befürchten viele Fans einen Ausverkauf der Leistungsträger oder eine Personalflucht im Falle des Abstiegs. Die Sorge konnte der Sportdirektor den FC-Anhängern auch nicht vollends nehmen: „Es ist so, dass der eine oder andere Spieler eine Ausstiegsklausel hat oder vielleicht auch keinen gültigen Zweitliga-Vertrag. Man muss schauen, was am Saisonende passiert.“ Aufgrund der Transfersperre wird der FC aber auch nicht viel am Kader verändern können. Der FC habe im Grunde drei Möglichkeiten: „Die eine Option ist, dass die Leihspieler zurückkommen. Die meisten machen es sehr sehr gut. Es kommen sechs Spieler zurück“, sagte Keller. „Dann haben wir geliehene Spieler. Sollten wir Kaufoptionen haben, dann wäre es auch da statuarisch möglich, diese zu ziehen. Und die dritte Option ist es, mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs zu arbeiten. Mehr Optionen gibt es nicht.“  

Bilder vom Duell 1. FC Köln – SV Darmstadt 98


FC: Schwäbe – Finkgräfe, Chabot, Hübers, Thielmann – Martel (66. Huseinbasic), Christensen (80. Uth) – Kainz (66. Schmitz), Alidou (46. Maina) – Waldschmidt (66. Tigges) – Adamyan – Tore: 0:1 Klarer (57.), 0:2 Vilhelmson (90.)


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