So will Timo Schultz gegen Leverkusen punkten.
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Die Kölner Chance liegt in der Brisanz

Wenn es nur nach dem Papier geht, hat der FC am Sonntag im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen nur eine geringe Chance auf Punkte. Doch genau diese wollen die Geißböcke nutzen.

Nach dem 1:1 gegen den VfB Stuttgart am vergangenen Wochenende blickt der FC-Coach optimistisch auf das anstehende Duell gegen Bayer. So will Timo Schultz gegen Leverkusen punkten.

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Marvin Schwäbe saß auf dem Rasen in der Leverkusener Arena und verstand die Welt nicht mehr. Der Keeper des 1. FC Köln war einmal mehr über sich hinausgewachsen, hatte einige Großkaliber entschärft und sich zumindest bei vielen Fans wieder in Sichtweite der Nationalmannschaft gebracht. Und doch prangte dort ein dickes 3:0 für die Werkself von der Anzeigetafel. Der 1. FC Köln hatte die volle Macht der Leverkusener an diesem Nachmittag zu spüren bekommen. Nur Dank der überragenden Partie des Kölner Torhüters erlebten die Kölner nicht schon Anfang Oktober das Debakel, das dann gegen Leipzig auf die Geißböcke wenige Wochen später wartete. Auch, wenn sich kein Feldspieler mit Ruhm bekleckerte, einen großen Vorwurf konnte man dem FC nicht machen: Leverkusen spielte einfach in einer anderen Liga.

Leverkusen ist in dieser Spielzeit unberechenbar

Eine Saisonhälfte später steht fest, dass der damalige Eindruck kein flüchtiger war. Und die Werkself spielt nicht nur aus Kölner Sicht einen Fußball aus einem höheren Regalfach. 33 Pflichtspiele in Folge ungeschlagen, mittlerweile acht Punkte Vorsprung auf die Bayern, dazu weitere Rekorde wie acht Liga-Siege in Serie – auch wenn es die Kölner Fan-Seele schmerzt, ist Leverkusen in dieser Spielzeit das Non plus Ultra der Liga. Am Sonntag könnte die Werkself den Vorsprung auf zehn Zähler ausbauen. Nicht umsonst wird sich Xabi Alonso im kommenden Sommer die Crème de la Crème Europas als künftigen Arbeitgeber aussuchen dürfen. Neben den Bayern und Real Madrid befinden sich auch der FC Liverpool und Manchester City in der Verlosung um die Gunst des Erfolgstrainers.

Die Vorzeichen vor der 77. Pflichtspiel-Auflage der Partie sind also eindeutiger denn je. 44 Punkte Vorsprung – noch nie war der Abstand der beiden Clubs vor einer Partie so groß. Leverkusen kassierte erst 16 Tore in der Spielzeit, der FC hat bislang 17 geschossen. Die Werkself lässt gerade mal sieben Schüsse und nur 0,4 Großchancen pro Spiel zu. Für die lahmende Kölner Offensive spricht also am Sonntag ebenfalls nicht besonders viel. Dagegen wird die Kölner Defensive bis aufs Höchstmaß gefordert sein. Bei keinem anderen Bundesligisten gibt es so viele unterschiedliche Torschützen. Das Spiel der Werkself ist mit Dreh- und Angelpunkt Florian Wirtz sowie den schnellen Außen wie Jeremie Frimpong, technischen Feingeistern wir Palacios und einem Stoßstürmer der Marke Patrik Schick oder dem verletzten Victor Boniface nicht ansatzweise berechenbar.

Rollenverteilung ist klar definiert

Auf dem Papier ist die Ausgangslage klar definiert, die Rollen klar vergeben, Leverkusen klar im Vorteil. Und doch warnt Alonso vor dem FC: „Wir erwarten ein sehr intensives Spiel in Köln. Es ist für beide Mannschaften ein wichtiges Spiel“, sagte der Leverkusener Trainer. „Wir respektieren Köln. Das Derby müssen wir mit klarem Kopf, aber auch mit viel Herz spielen.“ Kopf und Herz also – auch dem Spanier ist die Bedeutung der Begegnung durchaus bewusst. Es ist mehr als nur eine Phrase, dass das Nachbarschafts-Duell seine eigenen Gesetze hat. Der FC hat schon so manches Mal eine Serie der Leverkusener durchbrochen. Und auch auf der Pressekonferenz am Freitag betonte Thomas Kessler, Leiter der Lizenzspielabteilung, dass jede Mannschaft auch mal ein Spiel verlieren würde. Warum sollte also nicht der FC die erste Mannschaft sein, die Bayer schlägt.

Bei aller vermeintlichen Übermacht sieht auch Timo Schultz eine realistische Chance, Leverkusen wehzutun. Gerade aufgrund der lokalen Nähe und damit der Brisanz der Begegnung. „Ich glaube schon, dass es am Sonntag in unserem Stadion, mit unseren Fans im Rücken ein ganz spezielles Spiel werden wird. Das Spiel geht bei Null los. Wir haben die Möglichkeit, das Spiel siegreich zu gestalten“, so Schultz, der Leverkusen „ein Stück stärker“ als Stuttgart einschätzt, aber gleichzeitig auch warnte. „Wir werden aber schon eine sehr gute Leistung brauchen.“ Schon gegen den VfB Stuttgart hatte der FC in der Vorwoche bewiesen, was mit einer guten Leistung möglich ist. „Wir sollten schon das Selbstvertrauen haben, selbst aktiv zu sein, Leverkusen zu fordern. Wir dürfen ihnen nicht viele Räume geben.“

Timo Schultz: „Wir werden unseren eigenen Plan haben“

Den starken Auftritt der Mainzer gegen Leverkusen in der Vorwoche wollte der Coach nicht als Blaupause sehen. „Wir werden unseren eigenen Plan haben und unsere eigenen Ideen haben, wie wir Leverkusen wehtun können“, sagte Schultz. Die Spiele gegen Leverkusen und Gladbach wolle man ohnehin losgelöst der Tabelle sehen, betonte Kessler. Die Kölner Chance liegt also in der Brisanz der Begegnung. Dabei fielen die Frotzeleien der vergangenen Jahre eher gering aus. „Die Werkself ist diese Saison sehr gut unterwegs und der Favorit auf zwei große Titel, in meinen Augen auf das Double. Stand heute ist das eine Mannschaft, die diese beiden großen Titel im deutschen Fußball holen muss und vielleicht auch in der Europa League noch sehr weit kommt. Ich glaube, in Europa gibt es wenige Mannschaften, die solch eine Formkurve wie Bayer Leverkusen haben“, sagte Kessler, möglicherweise auch, um ein wenig Druck vom FC abzuleiten.

Die aktuelle Tabellensituation ist aber Druck genug. Gegen Leverkusen wird es am Sonntag jedenfalls mehr brauchen, als einen überragenden Torhüter.


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