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Warum der Trainerwechsel auch ein wenig Hoffnung birgt

Mit der 0:2-Pleite bei Union Berlin endete die Ära Steffen Baumgart beim FC. Die Geißböcke begeben sich als 17. auf Trainersuche. Studien belegen, dass der Einfluss eines Trainerwechsels ohnehin nicht besonders groß ist. Und doch birgt er auch eine gewisse Hoffnung.

Seit Freitag befindet sich der 1. FC Köln auf der Suche nach einem neuen Trainer. Studien belegen, dass ein Wechsel des Übungsleiters nur selten einen nachhaltigen Einfluss auf die Ergebnisse einer Mannschaft hat. Keine gute Aussichten also für den 1. FC Köln: Warum der Trainerwechsel aber dennoch Hoffnung macht.

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Der Abschied von Steffen Baumgart wiegt auch nach einigen Tagen noch schwer. Der 51-Jährige hat einen bleibenden Eindruck beim FC hinterlassen. Doch der Blick ist bei den Kölnern bereits nach vorne gewandt. Auch, wenn Christian Keller bei der Pressekonferenz eine durchaus interessante Wortwahl diesbezüglich fand, bleibt den Kölner Verantwortlichen tatsächlich nicht viel Zeit für die Suche. Das Anforderungsprofil ist ausgearbeitet und klar benannt. „Wir haben eine klare Spielidee, die unter Steffen implementiert wurde. Diese Spielidee soll sich nicht verändern. Ganz im Gegenteil: Sie soll gestärkt und stabilisiert werden. Wir müssen also einen Trainer finden, der zu dieser Idee passt“, sagte Keller am Freitag. „Zudem muss der Trainer die Qualität in der Mannschaft sehen, die wir alle sehen – die sich auch die Spieler wieder zutrauen müssen, um in der Liga zu bleiben.“ Außerdem solle der neue Trainer auch mit jungen Spielern gut können.

Trainerwechsel machen oft keinen Unterschied

Die Suche wird also keine leichte werden. Er halte sich alle Optionen offen, erklärte der Sportdirektor auf die Frage, ob auch eine interne Lösung eine realistische sei. Dennoch hat sich am Freitag eine Art Aufbruchstimmung angedeutet. Dabei ist die Sinnhaftigkeit hinter einem Trainerwechsel durchaus fraglich. Zahlreiche Studien renommierter Sportwissenschaftler belegen, dass sich die Auswirkungen auf den Erfolg einer Mannschaft in Grenzen halten. Unter anderem untersuchte Professor Andreas Heuer von der Uni Münster mehr als 150 Trainerwechsel über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren. In die Analyse gingen jeweils die zehn Spieltage vor und die zehn Spieltage nach dem Wechsel ein. Das Ergebnis war recht eindeutig. Egal ob der Trainer gewechselt wurde oder nicht, unterm Strich gab es keinen signifikanten Unterschied.

Eine große Wahl hatten die Kölner wohl ohnehin nicht. Nach den veröffentlichten Stimmen der Beteiligten folgte der Wechsel offenbar auf einen Impuls des Trainers. Dennoch sind nach den Studien die Aussichten also für den neuen Coach und den 1. FC Köln keine besonders guten. Zumal sich das spielende Personal, das in der bisherigen Spielzeit erst zehn Punkte einsammelte, in den kommenden Monaten aufgrund der Transfersperre nicht verbessern wird. Der neue Coach muss mit dem aktuellen und verunsicherten Kader das Unterfangen Klassenerhalt angehen, den Worten Kellers folgend wohl auch auf den ein oder anderen Nachwuchsspieler setzen. Gerade in der Offensive fehlte zuletzt die Fantasie, wie sich die Geißböcke verbessern sollten.

Trainerwechsel kann aber für Motivationsschub sorgen

Und doch birgt der Trainerwechsel durchaus Hoffnung. „Steffen hat letzten Endes gesagt, dass es für ihn schwer ist, die Mannschaft aus der Situation noch herauszuziehen und vorwegzugehen, wie er es immer getan hat. Wenn nicht alle der vollen Überzeugung sind, haben wir gesagt, dass es der richtige Zeitpunkt ist, um offen, ehrlich und respektvoll zu sagen, dass wir die Herausforderung dann in einer neuen Konstellation angehen“, erklärte Christian Keller. Baumgart war offenbar nicht mehr in der Lage, mit der richtigen Motivation für mehr Sicherheit und Selbstvertrauen bei den Spielern zu sorgen – selbst wenn die ersten 60 Minuten gegen Union Berlin bis ins letzte Drittel recht vielversprechend waren. Laut den Ergebnissen von Heuer kann gerade ein psychologischer Schub aber eine kurzfristige Rolle spielen.

Immer wieder hatten die Kölner Verantwortlichen in den vergangenen Monaten betont, dass sich bei den Spielern mittlerweile auch etwas im Kopf abspiele. Kein Wunder, beim Blick auf die Tabelle. „Negative Ergebnisse verbunden mit negativen Erlebnissen können das Selbstvertrauen beeinträchtigen und gleichzeitig Einfluss auf die Motivation nehmen. Das kann sich wiederum negativ auf die Leistung auswirken, da Zweifel und Ängste die Überzeugung an die eigenen Fähigkeiten erschüttern können“, erklärte auch der sportpsychologische Berater Thorsten Loch gegenüber come-on-fc.com. „„Die Gefahr, nach einer Niederlagenserie in eine Abwärtsspirale zu fallen, ist durchaus vorhanden“, erklärt Loch und: „Man reibt sich auf, strengt sich an und dennoch belohnt man sich nicht und steht am Ende mit leeren Händen da.“

Genau so werden sich die Kölner Akteure in den vergangenen Wochen gefühlt haben. Ein neuer Trainer kann einer Mannschaft gerade in dieser Hinsicht durchaus einen anderen Impuls geben. So gibt es in der Psychologie zum Beispiel den Begriff des Honeymoon-Effekts, der auf den Sport adaptierbar ist. Gerade Akteure, die zuletzt eher außen vor waren oder kritisiert wurden, zeigen sich dementsprechend mehr, scheinen motivierter, die Leistung innerhalb der Mannschaft steigert sich. Ob das aber ausreicht, um den FC wieder auf die Erfolgsspur zu heben, muss sich erst noch zeigen.

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